Wie läuft Social Freezing ab und was muss ich wissen?

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Julia Büchler
29.01.2020

Social Freezing für den Erhalt der weiblichen Fruchtbarkeit

Das Einfrieren von Eizellen ist der Medizin seit geraumer Zeit eine gängige Methode, um die Fruchtbarkeit für eine bestimmte Zeit zu bewahren. War es früher vor allem für Frauen gedacht, die ihre gesunden Eizellen aufgrund von Krebserkrankung und anstehender Chemotherapie einfrieren ließen, so ist es heute auch aus privaten, beruflichen oder finanziellen Gründen eine beliebte Alternative für flexible Familienplanung. [1] Immer mehr Frauen nutzen die Möglichkeit des Social Freezings, um zu einem späteren Zeitpunkt schwanger werden zu können, indem sie sich eine „Fertilitätsreserve“ anlegen.

Ablauf Social Freezing Fertilitätsreserve

Was ist Social Freezing?

Social Freezing, in der medizinischen Fachsprache auch Kryokonservierung genannt, bezeichnet den vorsorglichen Prozess der Gewinnung und des anschließenden Einfrierens unbefruchteter Eizellen ohne medizinische Notwendigkeit. Mit dieser Methode können Frauen ihrem altersbedingten Fruchtbarkeitsverlust vorbeugen und sich ihren Kinderwunsch zu einem späteren Zeitpunkt erfüllen, indem die Eizellen wieder „aufgetaut“ werden.

1. Was ist Social Freezing?
2. Social Freezing Ablauf
3. Schritt 1: Voruntersuchungen
4. Schritt 2: Hormonelle Stimulation
5. Schritt 3: Eizellentnahme
6. Schritt 4: Einfrieren/Vitrifikation
7. Schritt 5: Lagerung der Eizellen
8. Eizellnutzung nach Social Freezing
9. Risiken bei Social Freezing

Wie läuft Social Freezing ab?

Üblicherweise beginnt der Prozess des Social Freezings mit dem ersten Gespräch in einer Kinderwunschklinik. Vor Ort finden anschließend medizinische Voruntersuchungen statt. Nach einer hormonellen Stimulation werden bei der Kryokonservierung, also dem eigentlichen Verfahren, mehrere Eizellen entnommen, Schock-gefriert (vitrifiziert) und können dann über sehr lange Zeit im Labor gelagert werden. [1]

Schritt 1: Voruntersuchung

Nach einem ausführlichen Vorgespräch mit Fachexperten, also Reproduktionsmedizinern oder Kinderwunschärzten, ist der nächste Schritt eine medizinische Voruntersuchung mittels Blutwerte (Hormonhaushalt) und Ultraschall. Der Arzt prüft dabei, ob die benötigten Voraussetzungen für das Social Freezing erfüllt werden (Erfolgswahrscheinlichkeit/ Chancen) und klärt Sie über mögliche Risiken der Behandlung auf. Weitere Unklarheiten und Informationslücken können im Vorfeld vom Spezialisten geklärt werden.

Schritt 2: Hormonelle Stimulation

Vorbereitung

Wenn Sie nach den Voruntersuchungen alle Voraussetzungen erfüllen, wird ein Zeitpunkt für den Beginn der Stimulation festgelegt. Der Plan sowohl für die Dauer als auch Dosierung während der hormonellen Stimulation der Eierstöcke wird im Vorfeld gemeinsam mit dem Arzt erstellt. Da die entsprechenden Medikamente verschreibungspflichtig sind, erhalten Sie ein ärztliches Rezept mit fachlicher Einweisung. Berechnen Sie für den Erhalt der Medikamente (meist Spritzen) genügend Zeit mit ein, um rechtzeitig starten zu können, da es sein kann, dass Sie diese unter Umständen im Ausland bestellen müssen.

Dein Kinderwunsch Hormonelle Stimulation Social Freezing

Ablauf der hormonellen Stimulation

In einem bestimmten Zeitraum, der oft zwischen 10-14 Tage dauert, injizieren Sie sich das verschriebene Hormon-Präparat zu Hause. Die hormonelle Stimulation soll dazu führen, dass bis zur Entnahme möglichst viele Eizellen heranreifen. [1] [2] Um den Wachstumsfortschritt der Follikel zu verfolgen und den Hormonspiegel im Auge zu behalten, finden regelmäßige Kontrolluntersuchungen über Ultraschall und Blutentnahme statt. Außerdem kann dadurch ermittelt werden, ob die Dosierung verändert werden sollte und wann der perfekte Zeitpunkt für die Entnahme der herangereiften Eizellen ist. Nach dieser Bestimmung wird einmalig ein Hormon injiziert ( „Trigger Shot"), das den Eisprung auslösen soll. Nach erfolgreicher Auslösung des Eisprungs kann der behandelnde Arzt mit der Entnahme beginnen.

Dein Kinderwunsch Social Freezing Ablauf

Schritt 3: Entnahme der Eizellen

Um die gereiften Eizellen zu entnehmen, müssen Sie (meist einen Tag) nach der letzten Spritze in Ihre begleitende Kinderwunschklinik. Vor Ort werden Sie ein weiteres Mal untersucht und über die nächsten Schritte informiert. Nach ärztlicher Aufklärung werden Sie dann in einen OP-Saal geführt, in dem die Entnahme unter Kurz-Narkose durchgeführt wird. Meist ist der Eingriff gering und dauert nur etwa 15-30 min. In dieser Zeit entnimmt der Arzt die Follikel an den Eierstöcken durch sog. „vaginale Follikelpunktion". Dabei werden Follikel, die bestenfalls alle eine reife Eizelle enthalten, durch eine sehr dünne Nadel „abgesaugt“. Im Anschluss an diesen kurzen Prozess werden Sie für das Aufwachen in ein ruhiges Zimmer gebracht, in dem Sie sich ausruhen können, bis es für Sie wieder auf den Weg nach Hause geht. Zu Ihrer eigenen Sicherheit müssen Sie wegen der (wenn auch kurzen) Vollnarkose von einer Person Ihrer Wahl abgeholt werden. [1] [2]

Schritt 4: Einfrieren (Vitrifikation) der Eizellen

Nach Entnahme der Follikel wird von einem spezialisierten Biologen untersucht, wie viele davon eine reife Eizelle beinhalten. Geeignete Eizellen werden im Anschluss innerhalb einiger Sekunden bei -196°C eingefroren („Schock-Einfrieren“). Medizinisch wird dieses Verfahren auch als „Vitrifikation“ bezeichnet. Diese Methode bietet viele Vorteile, da sie zum Einen die Zellen nicht schädigt und zum Anderen eine sehr hohe, fast risikofreie „Auftaurate“ (98%) besitzt. [3]

Schritt 5: Lagerung der Eizellen

Das Gute ist: Sie können Ihre vitrifizierten Eizellen mehrere Jahre, und sogar Jahrzehnte, sicher aufbewahrt lassen. Je größer die gelagerte Anzahl der Eizellen, umso höher ist zu einem späteren Zeitpunkt die Chance einer Schwangerschaft und damit die Erfüllung des persönlichen Kinderwunsches.
Wenn der richtige Zeitpunkt für Sie gekommen ist, werden die Eizellen wieder aufgetaut und können daraufhin befruchtet werden.

Nach dem Social Freezing: Nutzung der Eizellen

Sie können selbst bestimmen, ob und wann Sie die Eizellen zur Nutzung wieder auftauen lassen. Wenn sie auf natürliche Weise nicht schwanger werden können, ist eine künstliche Befruchtung (mittels IVF oder ICSI) möglich. Dabei werden die Eizellen mit den Samenzellen des Mannes befruchtet. Nach Beginn der Zellteilung kann die befruchtete Eizelle in die Gebärmutter eingesetzt werden. Trotz der hohen Erfolgswahrscheinlichkeit, eine Schwangerschaft mithilfe von Social Freezing auch noch im späten Alter zu erreichen, gibt es keine Garantie für eine unkomplizierte Familiengründung. Komplikationen können wegen verschiedenster Ursachen auftreten, weshalb eine fachärztliche Betreuung stets zu empfehlen ist.

Mögliche Risiken bei Social Freezing

Social Freezing ist mit wenigen Risiken verbunden und eher unbedenklich. Neben der erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft bei künstlichen Befruchtungen, kann es in sehr seltenen Fällen (<1%) auch zu einer hormonellen Überstimulation kommen (Überstimulationssyndrom, OHHS). [4] Bezogen auf die Schwangerschaft und die Gesundheit des Kindes nach der Geburt konnte nachgewiesen werden, dass die Vitrifikation der Eizellen keinen negativen Einfluss auf den natürlichen gesundheitlichen Verlauf ausübt. [5] [6] Über weitere mögliche Komplikationen und Risiken des Social Freezings werden Sie bei Beratungsgesprächen mit Ihrem Kinderwunscharzt aufgeklärt. Dabei können Sie individuelle Fragen oder Unklarheiten klären und sich weitergehend informieren lassen.


Wenn Sie mehr über Gründe oder Erfolgsstatistiken von Social Freezing erfahren möchten, lese Sie hier oder hier weiter. Außerdem finden Sie in unserem Blog viele weitere spannende Artikel zum Thema IVF, Singles mit Kinderwunsch und vieles mehr.

Quellen:
1. https://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/einfrieren-der-eizellen-so-funktioniert-social-freezing-a-997312.html
2. https://www.social-freezing-info.de/ablauf-social-freezing-behandlung-was-kostet-social-freezing
3. F. Nawroth: Reproduktionsmedizin. Vitrifikation. Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York. 2015; 75(09): 883-886.
4. Deutsches IVF-Register. In: J Reproduktionsmed Endokrinol. 9 (6), 2012, S. 453–484
5. A. Cobo, V. Serra: Obstetric and perinatal outcomeof babies born from vitrified oocytes. Fertility and Sterility. 102, Nr. 4, Okt 2014.
6. N. Noyes, E. Porcu, A. Borini: Over 900 oocyte cryopreservation babies born with no apparent increase in congenitalanomalies. Reprod Biomed Online. 18, Nr. 6, 2009.