Das PCO-Syndrom:
Ursachen, Symptome und Therapie

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Allgemeine Informationen

Das Polyzystische Ovarialsyndrom (verkürzt: PCOS oder PCO-Syndrom) ist eine hormonelle Störung, die weltweit ca. 5 – 10 % aller geschlechtsreifen Frauen betrifft und zu Kinderlosigkeit führen kann. Sie ist bereits seit mehreren Jahrhunderten bekannt, doch genaue Ursachen der Krankheit konnten bis heute nicht festgestellt werden.

In diesem Artikel befassen wir uns mit der Symptomatik und den Behandlungsmöglichkeiten dieser verbreiteten Erkrankung.  

1. PCO-Syndrom: Typische Symptome
2. PCO-Syndrom: Diagnostizierung
3. PCO-Syndrom: Ursachen
4. PCO-Syndrom: Therapie
5. PCO-Syndrom: Emotionale Belastung

PCO-Syndrom: Typische Symptome

PCOS prägt sich von Frau zu Frau sehr unterschiedlich aus, sodass die Therapie ebenfalls von Fall zu Fall individuell gestaltet wird.  

Zu den gängigsten Symptomen des polyzystischen Ovarialsyndroms zählen:

  • Unregelmäßige Menstruation
  • Verstärkte Körperbehaarung
  • Haarverlust am Kopf
  • Fettige Haut und Akne
  • Unerwünschte Gewichtszunahme
  • Insulinresistenz und somit ein erhöhtes Risiko von Typ-2-Diabetes
  • Unterleibsschmerzen
  • Bluthochdruck
  • Mehrere Eierstockzysten
  • Erhöhtes Anti-Müller-Hormon

Frauen, die an PCOS und dem damit zusammenhängenden unregelmäßigen Zyklus leiden, haben meistens Schwierigkeiten ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Bei dieser Erkrankung handelt es sich um einen Symptomenkomplex: Es treten mehrere mögliche Symptome auf, die jedoch nicht alle gleichzeitig zum Vorschein kommen.
Aus diesem Grund dauert es in manchen Fällen mehrere Jahre, bis das PCO-Syndrom bemerkt und diagnostiziert wird.  

PCO-Syndrom: Diagnostizierung

Das polyzystische Ovarialsyndrom ist eine komplexe Hormonstörung, die erst nach Ausschluss anderer Erkrankungen bestätigt wird. Um ein genaues Urteil fällen zu können, muss der behandelnde Arzt zunächst den gesamten Krankheitsverlauf seiner Patientin in Erfahrung bringen.

Dies beinhaltet:

  • Fragen zu Vorerkrankungen, Zyklus- sowie Familienanamnese     
  • Körperliche Untersuchungen wie Behaarungsmuster, Blutdruck, Hautuntersuchung, BMI und Fettverteilungsmuster
  • Glukose-Toleranztest    
  • Untersuchung der Schilddrüsenfunktion

Um die Diagnostizierung zu erleichtern, wurden drei Hauptsymptome, die sogenannten Rotterdam-Kriterien, festgelegt. Sofern andere Ursachen ausgeschlossen sind und zwei dieser Merkmale auftreten, spricht man von dem Polyzistischen Ovarsyndrom:

Zyklusstörungen und fehlender Eisprung

  • Der Zyklus dauert länger als 35 Tage für mindestens 3 Monate im Jahr (Oligomenorrhö)
    oder
  • Die Menstruationsblutung bleibt für länger als 3 Monate im Jahr aus (Amenorrhö)

Erhöhter Wert der männlichen Geschlechtshormone

  • Als Folge ist eine verstärkte Körperbehaarung, Haarausfall am Kopf (Glatzenbildung) und/ oder Akne bekannt.
  • Der hormonelle Haushalt der Frau wird mittels Blutentnahme untersucht. Unter anderem werden Östrogene, Androgene, LH, FSH, das LH/FSH-Verhältnis und TSH (Laboraktuell, 2016) überprüft.

Mehrere Eierstockzysten – die sogenannten polyzystischen Ovarien      

Dabei handelt es sich um kleine, mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen, die in beiden Eierstöcken gleichzeitig auftreten. Auch wenn dieses Merkmal der Erkrankung ihren Namen gibt, tritt es in – nur – 78 % aller PCOS-Diagnosen auf.
Dieses Symptom wird anhand eines transvaginalen Ultraschalls untersucht. Für Spezialisten ist es ziemlich einfach zu erkennen, da sich die Eierstöcke der PCOS-Betroffenen äußerlich von denen einer gesunden Frau unterscheiden.

PCO-Syndrom: Ursachen

Auch wenn die Erkrankung bereits 1721 zum ersten Mal beschrieben wurde, sind die genauen Ursachen des PCO-Syndroms bis heute nicht bekannt. Vielmehr wurden einzelne Zusammenhänge zwischen der Krankheit, den genetischen Faktoren sowie den Umwelteinflüssen festgestellt.

Zu einem wird behauptet, dass PCOS genetisch vererbbar ist.
Studien haben gezeigt, dass in manchen Familien gleich mehrere Familienmitglieder (z. B. die Mutter oder Schwester der Betroffenen) an dieser hormonellen Störung leiden. Aber auch männliche Mitglieder der Familie können PCO-ähnliche Anzeichen aufweisen: Eine frühzeitige Glatzenbildung gehört beispielsweise dazu. Bis heute konnte jedoch kein einzelnes PCOS-Gen identifiziert werden.

Die in 71 % der Fällen festgestellte Insulinresistenz steht im starken Zusammenhang mit dem aus dem Gleichgewicht gebrachten Hormonhaushalt der Betroffenen:

  • Erhöhte Konzentration der männlichen Geschlechtshormone (Androgene)
  • Daraus resultierende verstärkte Produktion der weiblichen Sexualhormone (Östrogenen)
  • Erhöhte Ausschüttung des LH Hormons, das zusammen mit dem Follikel-stimulierenden Hormon FSH für die Funktionsabläufe in den Eierstöcken verantwortlich ist.
    Zum einem führt das verschobene Verhältnis beider Hormone zu einer gestörter Follikelreifung und somit zu Problemen mit dem Eisprung. Zum anderen treibt die verstärkte LH-Freisetzung wiederrum die Steigerung der Hormonproduktion in den Eierstöcken voran.

Aber auch die äußeren Einflüsse spielen bei der Entstehung des PCO-Syndroms eine wichtige Rolle. Die Höhe der Kalorienzufuhr sowie die richtige Zusammensetzung der Nahrung spielen hier mit rein. Außerdem können körperliche Inaktivität und Fettleibigkeit die Symptome der Erkrankung verschlimmern.

PCO-Syndrom: Therapie

Auch wenn eine absolute Heilung des PCO-Syndroms noch nicht möglich ist, gibt es dennoch Möglichkeiten, die Symptome zu lindern. Hier ist aber jede Frau individuell zu betrachten, wie auch die jeweilige Intensität der auftretenden Symptome.

Reduzierung des Übergewichts
Die Gewichtsreduktion ist das Erste, worauf sich Frauen mit Übergewicht und dem PCO-Syndrom fokussieren sollten. Ausreichende Bewegung sowie Verzicht auf fett- und zuckerreiche Lebensmitten helfen dabei enorm.

Im Vergleich zu schlanken Patientinnen, deren Kohlenhydraten-Anteil bei ca. 50 – 55 % liegen darf, sollte er bei adipösen insulinresistenten Frauen maximal 40 % betragen.

Dieser Behandlungsschritt allein kann zu einem regelmäßigeren Zyklus mit einem Eisprung führen – für Patientinnen mit einem unerfüllten Kinderwunsch ist dies ein besonders motivierender Faktor.

Zudem wird das Risiko von Typ-2-Diabetes sowie von Herz- und Gefäßerkrankungen durch eine Gewichtsreduktion gesenkt.

Medikamentöse und hormonelle Behandlung
Zur Bekämpfung der äußeren klinischen Merkmale wird die orale kontrazeptive Therapie, auch als Antibabypille bekannt, eingesetzt. Sie verringert die Menge der männlichen Hormone im Blut, stabilisiert den Zyklus und klärt das Hautbild der Frau. So kann starker Körperbehaarung sowie Akne entgegengewirkt werden.

Für die Reduzierung des Blutzuckerspiegels und für einen besseren Stoffwechsel wird Metformin verschrieben: ein Medikament zur Behandlung von Diabetes. Als Folge wird die Insulinresistenz bekämpft und die Senkung der männlichen Hormone im Blut vorangetrieben.
So soll ein stabiler Menstruationszyklus erzielt werden. Dieser Therapieansatz ist unter anderem für PCOS-Patientinnen mit Kinderwunsch relevant.

Steht der Kinderwunsch im Vordergrund der Behandlung, kann außerdem das Antiöstrogen Clomifen verabreicht werden.

Dieses Medikament wird zur Förderung des Eisprungs eingesetzt und erhöht somit die Schwangerschaftschancen der Frau. Die Behandlung mit Chlomifen darf maximal über sechs Zyklen erfolgen und wird bei Bedarf durch ein medikamentöses FSH-Präparat ersetzt. Zu den bekannten Risiken dieser Methode zählen Mehrlingsschwangerschaften wie auch die hormonelle Überstimulation.

Zur Vorbeugung weiterer gesundheitlicher Probleme darf jede dieser PCOS-Therapien nur unter strikter ärztlicher Beobachtung durchgeführt werden!

Künstliche Befruchtung
Bei polyzystischem Ovarialsyndrom kommt Schwangerschaft mittels
künstlicher Befruchtung erst dann infrage, wenn die hormonellen Methoden versagt haben.

Operation an den Eierstöcken
Falls die Chlomifenstimulation nicht anschlägt und der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, kann einer Frau mit einem PCO-Syndrom mittels einer Ovarialstichelung geholfen werden.
Dabei handelt es sich um einen chirurgischen Eingriff, bei dem mit einer speziellen Nadel mehrere kleine Einstiche in die Eierstöcke gemacht werden.

Vorteile des Eingriffs

  • Höhere Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft: Innerhalb von einem bis zwei Jahren nach der Behandlung werden 50 – 70 % der Patientinnen mit einem PCO-Syndrom schwanger
    (Ott J, Kurz C., 2015)
  • Niedrige Rate von Mehrlingsschwangerschaften
  • Reduziertes Risiko des Überstimulationssyndroms

Nachteile des Eingriffs

  • Wie jeder chirurgische Eingriff unter Vollnarkose kann auch die Ovarialstichelung zu Komplikationen führen.

PCO-Syndrom: Emotionale Belastung

Das polyzystische Ovarialsyndrom stellt nicht nur ein gesundheitliches Problem dar. Die Unzufriedenheit mit dem äußeren Erscheinungsbild oder auch der unerfüllte Kinderwunsch können emotional sehr belastend sein. Das kann die Lebensqualität der betroffenen Frau stark einschränken und psychische Folgen nach sich ziehen.

Für den besseren Umgang mit dem emotionalen und psychischen Aspekt dieser Erkrankung kann ein Besuch bei einem Psychotherapeuten sehr hilfreich und auch befreiend sein.


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Quellen:
1. Shirinpour, Z., Ghaderian, B., Rashidi, H., Aleali, A.M. and Payami, P.S. (2014) Effect of Bromocriptineon Insulin Resistance in Patients with PCO. Open Journal of Endocrine and Metabolic Diseases, 4, 253-257
2. The Rotterdam ESHRE/ASRM-sponsored consensus workshop group. Revised 2003 consensus on diagnostic criteria and long-term health risks related to polycystic ovary syndrome (PCOS). Hum. Reprod. 2004; 19: 41–7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14711538
3. Ott J, Kurz C. Die Ovarialstichelung bei PCO-Syndrom. Speculum - Zeitschrift für Gynäkologie und Geburtshilfe 2015; 33 (3). (Ausgabe für Österreich), 17-19.