Ernährung und Fruchtbarkeit

Die Rolle von Ernährung und Lebensweise beim Kinderwunsch

Bereits vor der Empfängnis tragen Ernährung und Lebensstil erheblich zur Fruchtbarkeit bei – sowohl bei der Frau, als auch beim Mann. Was gibt es also zu beachten, und wie kann man die Chancen auf eine Schwangerschaft auf natürliche Weise erhöhen? Und, wenn es mit dem schwanger werden geklappt hat – wie kann ich die Gesundheit meines Kindes auf positive Weise prägen?

Wie so oft: Die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle

Bereits vor Eintritt einer Schwangerschaft empfehlen Frauenärzte häufig die Einnahme von Folsäure (auch bekannt als Vitamin B9). Diese fördert den Zellteilungsprozess und das Gewebewachstum [1].Da der Folsäurespiegel im Körper nur sehr langsam steigt, ist es sinnvoll, mit der Einnahme frühzeitig zu beginnen. Neben Vitaminpräparaten kann Folsäure auch auf natürlichem Wege über die Nahrung aufgenommen werden. Eine hohe Konzentration an Folsäure befindet sich beispielsweise in Kichererbsen oder grünem Gemüse wie Brokkoli und Bohnen.

Tipps:
Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollen zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung 400 µg Folsäure pro Tag einnehmen.

Die Einnahme soll mindestens 4 Wochen vor der Empfängnis beginnen und bis zum Ende des 1. Schwangerschaftsdrittels fortgesetzt werden.

Ernaehrung Kinderwunsch

Weitere Vitamine, die Sie berücksichtigen sollten

Vitamin B12 und B6 wirken sich sowohl auf die weibliche, als auch auf die männliche Fruchtbarkeit aus. Vitamin B12 hilft dem Körper die Folsäure zu verarbeiten, und findet sich in Käse, Fisch und Fleisch wieder. Vitamin B6 unterstützt im Allgemeinen den Stoffwechsel, sowie bei Männern die Testosteronbildung und kommt vor allem in Bohnen, Brokkoli sowie Kartoffeln vor.
Auch Vitamin E kann die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft unterstützen und hilft dem weiblichen Körper bei der Einnistung der Eizelle in die Gebärmutter. Dieses findet sich zum Beispiel in Eigelb, Paprika oder Sonnenblumenöl. Kalzium, welches zum Beispiel in Milchprodukten enthalten ist, kann den Eisprung fördern. Lebensmittel wie Joghurt, Quark und Kefir sollten auch beim Mann nicht in der Ernährung fehlen, da sie die Qualität der Spermien erhöhen.


Für eine gute Spermienbildung sind weiter die Vitamine C und E wichtig. Auch sollten Männer auf eine ausreichende Zinkzufuhr achten, da dadurch die Konstitution der Samenzellen positiv beeinflusst werden kann. Auf dem Markt sind viele Produkte erhältlich, die speziell auf einen Kinderwunsch abgestimmt sind. Dabei gilt wie so oft: Vitaminpräparate können helfen, allerdings ist eine ausgewogene Ernährung bei der Kinderwunschplanung das A und O [2].


Tipps:
Eine ausgewogene Ernährung ist bereits vor Eintritt der Schwangerschaft wichtig! Versuchen Sie sich an neuen Rezepten und probieren sie neue und unterschiedliche Lebensmittel aus. Hauptbestandteile sollten dabei Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sein. Mäßig verzehrt werden hingegen tierische Lebensmittel. Auch sollten Sie reichlich kalorienfreie Getränke zu sich nehmen [3].

Sparsam sollten Süßigkeiten, zuckerhaltige Getränke und Snackprodukte, sowie Fette mit hohem Anteil gesättigter Fettsäuren und Öle verzehrt werden. Benutzen Sie lieber Pflanzenöle, wie zum Beispiel Olivenöl [4].
Ernaehrung und Fertilitaet Kinderwunsch

Übergewicht vermeiden

In Deutschland ist etwa ein Drittel der Frauen im gebärfähigen Alter von Übergewicht oder Adipositas betroffen [5]. Dabei ist mütterliches Übergewicht mit erhöhten Entzündungswerten, Hormonspiegeln und ungünstigen Metaboliten assoziiert, die die Entwicklung des Eis und des Embryos negativ beeinflussen können und das Risiko für chronische Erkrankungen beim Kind erhöhen. Übergewicht bei Männern wirkt sich negativ auf die Qualität, Quantität und Beweglichkeit der Spermien aus und steht ebenfalls unter Verdacht, das Risiko für chronische Erkrankungen bei den Nachkommen zu steigern. Eine Gewichtsreduktion wäre daher sowohl für spätere Mütter als auch für die Väter empfehlenswert [6].

Tipps:
Schon vor der Schwangerschaft ist eine bestmögliche Annäherung des Körpergewichts an ein Normalgewicht wünschenswert.

Eine angemessene Gewichtszunahme in der Schwangerschaft liegt für normalgewichtige Frauen etwa zwischen 10 und 16 kg.
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Risikofaktoren beseitigen

Alkohol und Rauchen sind tabu. Auch bereits in der Kinderwunschzeit ist es empfehlenswert auf die tägliche Zigarette und Alkoholika zu verzichten [7]. Rauchen wirkt sich negativ auf die Fruchtbarkeit aus und ist während der Schwangerschaft ganz klar tabu [8]. Auch geringe Mengen von Alkohol in der Schwangerschaft können sich negativ auf den Fötus auswirken [9].

Tip:
Bereits in der Phase des Kinderwunsches auf Alkohol und Rauchen verzichten.

Auf die Zahngesundheit achten

Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten ihre Zahngesundheit überprüfen und gegebenenfalls eine gezielte Behandlung durchführen lassen. Eine unbehandelte mütterliche Parodontitis war in Studien mit einem erhöhten Risiko von Frühgeburt und niedrigem Geburtsgewicht assoziiert [10].

Tip:
Termin beim Zahnarzt machen, um Zahnprobleme abzuklären und eine adäquate Mundhygiene durchführen.

Bewegung, Bewegung, Bewegung

Frauen mit Kinderwunsch und schwangere Frauen sollen sich an den allgemeinen Bewegungsempfehlungen für Erwachsene orientieren [11]. Dabei ist auch wieder auf Ihre Gewohnheiten zu achten. Haben Sie vorher Sport getrieben, spricht nichts gegen eine Weiterführung bis in die Schwangerschaft hinein. Sollten Sie eine hauptsächlich sitzende Tätigkeit ausüben und wenig Sport treiben, sind beispielsweise Spaziergänge empfehlenswert. Dies hilft Ihnen und Ihrem potenziellen Nachwuchs gesund zu bleiben und verhindert Komplikationen im Schwangerschaftsverlauf [12].

Quellen:
[1] Czeizel AE, Dudas I, Paput L et al. Prevention of neural-tube defects with periconceptional folic acid, methylfolate, or multivitamins (2011); 58: 263–271 [82] De-Regil LM, Pena-Rosas JP, Fernandez-Gaxiola AC et al. Effects and safety of periconceptional oral folate supplementation for preventing birth defects. Cochrane Database Syst Rev 2015; (12): CD007950. doi:10.1002/14651858.CD007950.pub3
[2] Hanson MA, Bardsley A, De-Regil LM et al. The International Federation of Gynecology and Obstetrics (FIGO) recommendations on adolescent, preconception, and maternal nutrition: “Think Nutrition First”. Int J Gynaecol Obstet (2015); 131 (Suppl. 4): S213–S253
[3] Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE); Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE); Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE). Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr (2017)
[4] Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE. Online: http://www.dge.de/ernaehrungspraxis/ vollwertige-ernaehrung/10-regeln-der-dge/; Stand: 20.11.2017
[5] Mensink GBM, Schienkiewitz A, Haftenberger M. et al. Übergewicht und Adipositas in Deutschland. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt (2013); 56: 786–794
[6] OʼConnor DL, Blake J, Bell R et al.; Nutrition Working Group. Canadian Consensus on Female Nutrition: Adolescence, Reproduction, Menopause, and Beyond. J Obstet Gynaecol Can (2016); 38: 508–554.e18 [22] National Institute for Health and Clinical Excellence. Weight management before, during and after pregnancy. Online: https://www.nice. org.uk/guidance/ph27/resources/weight-management-before-duringand-after-pregnancy-pdf-1996242046405; Stand: 16.11.2017
[7] Röbl-Mathieu M. Preconception Counselling. Frauenarzt (2013); 54: 966– 972 [4] Hanson MA, Bardsley A, De-Regil LM et al. The International Federation of Gynecology and Obstetrics (FIGO) recommendations on adolescent, preconception, and maternal nutrition: “Think Nutrition First”. Int J Gynaecol Obstet 2015; 131 (Suppl. 4): S213–S253
[8] The American Society for Reproductive Medicine. Optimizing natural fertility: a committee opinion. Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine in collaboration with the Society for Reproductive Endocrinology and Infertility. Fertil Steril (2013); 100: 631– 637
[9] Van Heertum K, Rossi B. Alcohol and fertility: how much is too much? Fertil Res Pract (2017); 3: 10
[10] American Academy of Pediatric Dentistry (AAPD). Guideline on Perinatal Oral Health Care (2018). Online: http://www.aapd.org/media/policies_ guidelines/g_perinataloralhealthcare.pdf
[11] Ferrari N, Graf C. Bewegungsempfehlungen für Frauen während und nach der Schwangerschaft. (2017); 79: S36–S39
[12] Pfeifer K, Banzer W, Ferrari N et al. Nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2017)