Den eigenen Zyklus verstehen

Schwanger werden - gar nicht so einfach!

Gerade in jungen Jahren sind Frauen und Paare oftmals eindringlich damit beschäftigt, eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Doch wenn es dann in späteren Jahren an den Kinderwunsch geht, erleben sie oftmals, dass es gar nicht so einfach ist, diesen Wunsch umzusetzen. Was kann man also tun, um die Chancen auf eine Schwangerschaft auf natürliche Weise zu erhöhen?

Der erste Schritt: Den eigenen Zyklus kennen lernen

Nicht jede Frau hat einen perfekten 28-Tage-Zyklus: In Wirklichkeit schwankt dieser meist zwischen 21 und 35 Tagen. Doch auch größere Schwankungen sind nicht selten: Studien haben gezeigt, dass 46% aller Frauen Zyklusschwankungen größer 7 Tage haben; 20% aller Frauen sogar größer 14 Tage [1]. Sollten Sie Zyklusschwankungen haben, die über die 21- bzw. 35-Tagesgrenze hinaus gehen, ist es im Kontext eines Kinderwunsches ratsam, einen Gynäkologen zu konsultieren.

Denn: Es gibt nur wenige Tage im Monat, an denen Sie schwanger werden können. Das Zeitfenster für die Befruchtung der Eizelle liegt bei 12 bis 18 Stunden nach dem Eisprung. Also lohnt es sich bei einem Kinderwunsch, den eigenen Zyklus zu protokollieren und besser kennen zu lernen. Hierzu gibt es neben der Möglichkeit des Eintragens in einen Periodenkalender heutzutage auch verschiedene Apps, welche dies einfach möglich machen.

Doch selbst wer die fruchtbaren Tage korrekt bestimmt, gesund ist, und dazu noch zum optimalen Zeitpunkt Sex hat: Die durchschnittliche Chance auf eine Schwangerschaft je Menstruationszyklus liegt lediglich bei 25% [2].

Zusätzlich haben verschiedene Studien gezeigt, dass die Hälfte aller Paare mit Kinderwunsch den Zeitrahmen der fruchtbarsten Tage nicht kennt, was diese Chance weiter reduziert [3].

Der Eisprung, auch Ovulation genannt, findet bei den meisten Frauen ungefähr 12 bis 16 Tage vor der Regelblutung statt. Der Zeitraum zwischen dem Eisprung und der Menstruation ist bei den meisten Frauen recht konstant. Schwankungen im Zyklus liegen meist an einer verzögerten oder beschleunigten Eireifung, was häufig psychologische Ursachen haben kann: Stress bei der Arbeit oder im Alltag, Langstreckenreisen mit Zeitumstellung, oder starke emotionale Schwankungen. Letztlich gilt: Je besser Sie Ihren Zyklus kennen und ihre Körpersignale wahrnehmen lernen, desto mehr Einfluss können Sie auf Ihre Fruchtbarkeit nehmen.

Zyklusschwankungen Kinderwunsch

Wie bestimmt man die fruchtbaren Tage?

Eine beliebte Methode, um den fruchtbaren Zeitraum der Frau zu ermitteln, ist die sogenannte Temperaturmessmethode. Dabei misst die Frau ihre Körpertemperatur mithilfe eines Thermometers, und protokolliert diese. Dadurch entsteht eine sogenannte Basalkurve, die den idealen Zeitpunkt für die Zeugung anzeigen kann. Dieser Zeitpunkt liegt genau vor dem Anstieg der Basaltemperatur. Dabei braucht diese Methode anfangs evtl. den ein oder anderen Übungszyklus, um mit dem Umgang und der Interpretation der Werte vertraut zu werden.

Weiter kann eine Bestimmung Ihrer fruchtbaren Zeit mithilfe von Ovulationstest erfolgen, die heutzutage in Drogerien, Apotheken sowie online angeboten werden. Dabei wird der Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH-Wert) in Ihrem Urin mittels eines Teststäbchens gemessen, ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest. Da diese Hormonveränderung zwischen 24 und 36 Stunden vor dem Eisprung erfolgt, zeigt Ihnen ein steigender LH-Wert das herannahen Ihrer fruchtbaren Tage. 

Eine dritte Methode ist die Beobachtung des Zervixschleims und die Abtastung des Muttermundes. Der Zervixschleim ist ein Sekret, welches von Drüsen im Gebärmutterhals gebildet wird und Konsistenzumschwünge während des Zyklus durchläuft. Somit kann durch seine Veränderung Rückschlüsse auf die jeweilige Zyklusphase gezogen werden. Beispielsweise ist er kurz vor dem Eisprung glasiger, transparenter und dünnflüssiger. Dies unterstützt die Spermien dabei,schneller und einfacher in die Gebärmutter zu gelangen.

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Dass Paare bis zu einem Jahr brauchen, ist nicht ungewöhnlich

Dabei ist schwanger werden gar nicht so leicht. Eine Studie zeigt, dass in Deutschland von allen Frauen, die ihren Zyklus kennen und schwanger werden wollen, nur etwa die Hälfte während der ersten 3 Monate schwanger werden. Nach 6 Monaten haben es rund 65% der Paare geschafft und nach einem Jahr rund 80%. Bei Paaren, die es 2 Jahre lang versuchen, steigt die Rate auf 89% an [4].

Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft hängt auch in wesentlichem Maße vom Alter der Frau ab. Allgemein gilt: Jüngere Frauen werden schneller schwanger als ältere, da Hormonproduktion und Eizellreserve mit dem Alter abnehmen. Je nach Alter kann es also völlig normal sein, dass es mit der Empfängnis bis zu einem Jahr dauert. Wenn Sie es allerdings bereits länger als ein Jahr lang erfolglos versuchen, ist es ratsam, ärztliche Hilfe einzuholen.

Zyklusschwankungen Schwangerschaft



Hier können Sie mehr über die Möglichkeiten einer künstliche Befruchtung in Deutschland, Tschechien, Polen oder Spanien erfahren.

Quellen:
1. Creinin, Keverline & Meyn. How regular is regular? An analysis of menstrual cycle regularity. Contraception (2004) 70:289-92
2. Colombo & Masarotto. Daily Fecundability: First Results from a New Data Base. Demographic Research (2000)
3. Johnson SR., et al. Human Reproduction (2011) 26: i236.
4. Juul, Karmaus & Olsen. Regional differences in waiting time to pregnancy: pregnancy-based surveys from Denmark, France, Germany, Italy and Sweden. Human Reproduction (1999), 14: 1250-1254